Autorin

Anja Kempe — jOURNALISTIN (ARD)

 
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»Du sprechen deutsch?« Von diesem Satz habe ich damals geträumt, als ich drei Tage lang die Paßkontrolleure im IC-Zug auf der Balkanroute begleitet habe, und sie allen diese Frage stellten, die schwarze Haare hatten, und das waren sehr viele.

Für meine erste Hörfunksendung, 1987, musste ich allerdings gar nicht das Haus verlassen: »Die Zukunft der postindustriellen Gesellschaft« für das Abendstudio des Hessischen Rundfunks, eine Stunde Text, vorgetragen von zwei Sprechern. Weil ich mich für Menschen interessiere, habe ich in dieser Zeit angefangen, im Feature von RIAS, WDR und SFB mit Originaltönen zu arbeiten und hatte plötzlich, zusätzlich zur Theorie, eine bis heute unerschöpfliche Ebene: Leute im O-Ton, im Gespräch oder nebenbei aufgenommen, bei dem, was sie gerade machen oder sagen: Zugkontrolleure, Berufsboxer, Museumsdirektoren, Volksmusikanten, Mathematiker, Politiker, Manager, Soldaten und Soldatinnen.

Ich möchte gern unterhalten. Die Features und Reportagen stehen im Kontext der aktuellen Diskurse und Debatten. Aber man muss sich nicht auskennen, sondern kann auch einfach die Füße hochlegen und zuhören. Lernen Sie unsere Nachbarn kennen, bei ihren Bemühungen in die Europäische Union zu gelangen: »Ein Türke in der Leitung«. Gehen Sie der Frage nach wie man »mit guten Manieren durch schlechte Zeiten« kommt. Wenn Sie tierlieb sind, besuchen Sie »Hasso«, den schicken Flottillenadmiral. Oder lassen Sie sich überraschen von einem Wissenschaftler, der eine »Wundermaschine« erfunden hat. Machen Sie eine radiophone Reise durch die Geschichte unseres Landes: »Museum im Kopf. Eine Ausstellung deutscher Nationalheiligtöne«. Hören Sie »Die ersten Jahre der Theoretischen Physik« mit Orginaltönen der ersten Quantenphysiker, oder, wenn Sie sich für die Zeiten interessieren, als die Mauer noch stand: »Westpakete«, und »Otto im Osten«.

Auch tragische Ereignisse haben komische Seiten: »Unternehmen Kosovo. Reparaturdienst Deutschland im Einsatz«. Wenn Sie zu den vielen Linken gehören, die damals für den Kosovo-Krieg waren, überspringen Sie diese Sendung einfach oder hören Sie: »Fresh Kfor. Neue Männer sucht der Bund«.

Einige Jahre habe ich mich mit Frauen in den Ostländern und deutschen Männern beschäftigt, von 1992 ist »Damenwahl. Der Handel mit polnischen Frauen«. 1997 entstand der Film »Die gekaufte Braut«, Regie im Schneideraum hatte Hanno Brühl. Die Reportage lief im ersten Programm der ARD und wurde in den dritten Programmen wiederholt. Weil sie bei der Erstausstrahlung über 5 Millionen Zuschauer hatte, wollte ich diese Geschichte den Radiohörern nicht vorenthalten: »Rassige Russin gesucht. Oder: Mohrmann in Moskau«, 1998.

 

Geburtsort: Bremerhaven
Größe: 1,70
Lieblingsmusik: Abba, Wagner
Sternzeichen: Wassermann, Affe
Fremdsprachen: Englisch, Latein
Gläubig: Ja
Kirche: Nein
Partei: Niemals
Studium: Politik, Germanistik
Wofür es sich für mich lohnt zu kämpfen: Wertesystem, Randgruppen, Hörfunk
Reizthema: Political Correctness 
Lieblingsthema: Bundeswehr
Interessante Leute: E.T.A. Hoffmann, Karl Marx, Lise Meitner, Ludwig Erhard, Harald Schmidt, Cordula Stratmann
Leidenschaft für den Beruf: Ja
Ästhetische Prinzipien: Ja